Der Druck des Wow-Moments​

Alle Begleiter*innen sind zusammengetrommelt, ihr habt gemeinsam gefrühstückt und jetzt geht es los zum Brautmodengeschäft deiner Wahl. Du hast keine genaue Vorstellung von Schnitt und Stil nachdem du suchst, du kannst dir vintage genauso vorstellen boho. Du ziehst Brautkleid um Brautkleid an, deine Begleiter*innen quietschen jedes Mal begeistert wenn du aus der Umkleide heraus trittst. Du schaust dich im Spiegel an und, ja, du findest das ein oder andere Kleid ganz hübsch aber dir fehlt noch etwas. Du wartest auf das Gefühl, das gewisse Etwas, eben die Gewissheit, dass dies dein perfektes Brautkleid ist. Wo sind die Tränen, die pure Freude, der Wow-Effekt? Du machst einen neuen Termin in einem anderen Brautladen aus, aber auch hier findest du dieses Gefühl nicht. Im Gegenteil, jedes Brautkleid mehr was du anziehst verwirrt dich nur noch mehr. Langsam bist du dir nicht mehr sicher, ob es an den Kleidern liegt oder an dir. Und plötzlich kommt dir ein Gedanke: Ist dieser Moment, von dem alle reden und der in Filmen so dramatisch gezeigt wird, vielleicht am Ende doch nur ein Mythos?

Und die Wahrheit ist:

Für viele Bräute ist das die Realität. Natürlich gibt es Menschen, bei denen es genauso abläuft und bei denen die Tränen den Kauf besiegeln. Aber es gibt mindestens genauso viele Bräute, bei denen der große Knall bei der Brautkleidsuche ausbleibt. Deswegen ist die Erfahrung aber nicht weniger wert oder weniger schön und das Kleid nicht das Richtige. Nüchtern betrachtet ist es am Ende des Tages doch nur ein Kleid, und der Druck der darum aufgebaut wird viel zu groß. Es reicht, wenn du ein Brautkleid anziehst und dich wohlfühlst, dir vorstellen kannst darin zu heiraten oder es schlicht und ergreifend schön findest. Keine Tränen, keine Seufzer und keine unumstößliche Gewissheit, dass dieses Brautkleid für dich bestimmt ist sind nötig, um eine Entscheidung zu treffen. Und sie hat auch keinen Einfluss darauf wie toll eure Hochzeit am Ende wird. Die Brautkleidsuche wird medial und gesellschaftlich so sehr auf ein Podest gehoben, dass schnell das Gefühl entsteht es sei etwas falsch mit einem, wenn es eben nicht so abläuft. Das gilt übrigens auch für die Hochzeit an sich. Also entspann dich, lehn dich zurück, geh den alternativen Weg. Geh alleine zur Anprobe, geh zu einem verkaufsoffenen Tag im Brautmodeladen oder bestelle online. Mach das womit du dich wohlfühlst. Niemand zwingt dich etwas genauso zu machen wie alle anderen. Jedes Erlebnis ist sowieso ganz individuell. Und wenn du im Laden stehst und ein Brautkleid trägst, was dir gut gefällt, dann schlag ruhig zu. Ganz bestimmt und ohne Wow-Moment. Ohne Druck.

Martha & Laura betreiben ein Vintagebrautmodengeschäft im Saarlandstraßenviertel in Dortmund mit der Spezialisierung auf Secondhandbrautkleider aus den 30er Jahren bis in die Neuzeit. Du kannst dort einen Anprobetermin vereinbaren oder Donnerstags zu den Öffnungszeiten ohne Termin vorbeikommen und selbst stöbern. Anpassungen kann Laura dann direkt vor Ort umsetzen.